Azubi Heilerziehungspfleger

Oliver – berufsbegleitendes Ausbildungs-Stipendium zum Heilerziehungspfleger

In Teilhabe- und Pflegeberufen herrscht Fachkräftemangel. Umso wichtiger ist es, Menschen für einen Job im Sozialen Bereich zu begeistern und sie entsprechend zu qualifizieren. Die Oberlin Lebenswelten vergeben deshalb jedes Jahr mehrere Stipendien für eine berufsbegleitende Ausbildung als Heilerziehungspfleger in unseren Oberlin Beruflichen Schulen an Quereinsteiger in der eigenen Belegschaft. Einer von ihnen ist Schulbegleiter Oliver. 

  • Frage 1: Wie bist du ins Oberlinhaus gekommen?

    Meine erste Ausbildung habe ich als Kellner gemacht und dann den Koch draufgesetzt. Als Koch habe ich auch mehr als 10 Jahr lang gearbeitet. Aufgrund eines Bandscheibenvorfalls 2012, der notoperiert werden musste, habe ich eine Umschulung zum Bürokaufmann gemacht. Leider hatte ich 2018/ 2019 einen erneuten Bandscheibenvorfall an der gleichen Stelle und war fast ein Jahr lang arbeitsunfähig. Meine bisherigen Jobs konnte ich nicht mehr ausüben: In der Gastro muss ich zu viel stehen – als Bürokaufmann zu viel sitzen. Die Ärzte rieten mir zu einem Job, in dem ich abwechselnd gehen, stehen und sitzen kann.

    Beim Angeln lernte ich zufällig jemanden kennen, der schon länger in den Oberlin Lebenswelten arbeitete und wir kamen ins Quatschen.  Er sagte: „Dann bewirb dich doch mal in den Oberlin Lebenswelten – dort werden auch Quereinsteiger gesucht. Vielleicht in der Assistenzagentur, damit du wieder den Einstieg ins Berufsleben findest.“ Ich habe mich beworben und es hat auf Anhieb gepasst.

  • Frage 2: Als was hast du hier angefangen?

    Zum Schuljahr 2019/ 2020 habe ich als absoluter Quereinsteiger in den Oberlin Lebenswelten angefangen und als Schulassistenz zwei Schüler in der Oberlinschule begleitet. Beide hatten eine fortschreitende Muskelerkrankung und saßen im E-Rollstuhl. Ich habe sie in allen möglichen Situationen des Schulalltags unterstützt und war immer da, wenn sie mich brauchten – reichte ihnen z.B. einen Stift oder etwas zu Trinken. Außerdem half ich ihnen dabei, dem Unterrichtsstoff zu folgen, beim Jacke An- und Ausziehen, begleitete sie zu Physiotherapien oder bei Klassenausflügen und schlichtete auch schon mal den ein oder anderen Konflikt auf dem Schulhof.

    Ziel ist es, die Klienten so anzuleiten, dass sie so viel wie möglich selbst ausführen können. Noch heute gefällt mir der Job sehr gut und du bekommst viel zurück: Die Klienten freuen sich innig darüber und sind mega-dankbar dafür, dass du morgens in die Schule kommst. Außerdem sind die Dienstzeiten sensationell und super mit meinem Privatleben als Familienvater vereinbar.
     

  • Frage 3: Wie ist es dir als Quereinsteiger ergangen?

    Ehrlich gesagt, wusste ich nicht, worauf ich mich da einlasse. In meinem privaten Umfeld hatte ich vorher noch keinen Kontakt mit Menschen mit Behinderung gehabt. Aber durch die intensive Arbeit wurden meine Berührungsängste ganz schnell abgebaut.

    Aufgrund meiner eigenen Krankheitsgeschichte konnte ich mich sehr gut in die Klienten reinversetzten. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass alles eng zusammenhängt: Wenn der Körper nicht funktioniert, leidet auch der Geist darunter. Als ich den Bandscheibenvorfall hatte, war mir schnell alles zu viel. Ich bekam schmerzstillende Spritzen, musste zur Reha und war massiv eingeschränkt im Alltag. Ich war ein Familienvater Anfang 30 und konnte plötzlich nicht mehr die Kinder heben, mit ihnen Fahrrad fahren oder toben. Ich kam nicht einmal mehr ohne die Hilfe meiner Frau aus dem Bett. Ich wurde mürrisch, unausstehlich und einsam. Diese Erfahrung kam mir jetzt im neuen Job zugute. Die beiden Schüler, denen ich im Schulalltag assistierte, fühlten sich sehr angenommen und verstanden von mir und wir kamen wunderbar miteinander aus.  

  • Frage 4: Wie kam es dazu, dass du ein Azubi-Stipendium erhalten hast?

    In den zwei Jahren, die ich als Quereinsteiger in den Oberlin Lebenswelten gearbeitet hatte, bekam ich viel positives Feedback von Vorgesetzten, Kollegen, Lehrern und Eltern. Dann wurde mir die berufsbegleitende Ausbildung mit finanzieller Unterstützung der Oberlin Lebenswelten angeboten und ich habe mich direkt beworben. Das Stipendium war für mich wie ein Lottogewinn. Obwohl ich nur noch halb so viel arbeite und die restliche Zeit die Schulbank drücke, erhalte ich weiterhin meinen vollen Lohn. Bei welchem Arbeitgeber kriegt man schon solch ein Stipendium bei voller Bezahlung angeboten? Auch die 80 Euro Schulgeld pro Monat werden von den Oberlin Lebenswelten übernommen – das sind im Verlauf der drei Jahre Ausbildung schon ein paar tausend Euro, die da über die Ladentheke gehen!

    Besser kannst du es ja gar nicht haben, dir eine neue Zukunft aufzubauen. Zwar werde ich schon jetzt als Quereinsteiger nach Tarif der Diakonie bezahlt, aber nach Ende der Ausbildung kommt mir als Fachkraft eine deutliche Verbesserung in der Entgeldgruppe zugute. Außerdem ist mir eine Weiterbeschäftigung in den Oberlin Lebenswelten nach Ende der Ausbildung garantiert.

  • Frage 5: Wie gefällt dir die berufsbegleitende Ausbildung?

    Was Besseres hätte mir nicht passieren können. Ich würde den Beruf Heilerziehungspfleger jedem empfehlen und denke, dass sich eine Ausbildung aufgrund des großen Fachkräftemangels gerade in dieser Branche lohnt.

    In der Ausbildungsklasse sind wir insgesamt 23 Leute von verschiedenen Trägern, die die Ausbildung berufsbegleitend machen. 3 Tage gehe ich arbeiten, 2 Tage die Woche zur Schule. Anfangs war es etwas anstrengend: Job, Ausbildung und Familienleben. Es ist nicht ganz leicht, aber zu schaffen, wenn man sich die Zeit richtig einteilt. Ich bin jetzt fast fertig mit dem 1. Ausbildungsjahr und finde auch die Theorie megaspannend, v. a. wenn wir über die Psyche des Menschen reden.

    Wegen Corona fand ein Teil des Unterrichts im Homeschooling statt, aber die Oberlin Beruflichen Schulen sind glücklicherweise technisch gut aufgestellt: Wir haben mit der Schul-Cloud Brandenburg gearbeitet und ich konnte mir sogar einen Laptop kostenfrei von der Schule leihen. Die Fachlehrer legen sich sehr ins Zeug und unterstützen, wo sie nur können. Mir gefällt der praxisnahe Ansatz – vor kurzem haben wir einen Selbsterfahrungskurs im Rollstuhl absolviert.
     

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