Arbeiten im Schichtdienst

Juliette – Pflegefachkraft in einer Wohnstätte für Kinder mit Behinderung

Als Pflegefachkraft arbeitet Juliette mit Kindern und Jugendlichen mit Sinnesbeeinträchtigungen sowie körperlichen Behinderungen. Sie begleitet sie im Rahmen gezielter individueller Förderung durch den Alltag. Was das Verhältnis zu ihren Kolleginnen und ihren Vorgesetzten für ihre berufliche Zukunft im Oberlinhaus bedeutet, verrät sie hier.

  • Frage 1: Warum hast du dich für einen Pflegeberuf entschieden?

    Naja, das ist irgendwie familiär bedingt: Meine Mama ist Altenpflegerin. Als Kind habe ich sie oft bei der Arbeit besucht und fand schon damals mega-interessant, wie toll sie dabei mit den Menschen umgeht. Daneben hat mein Bruder das Jacobsen-Syndrom. Auch deswegen war es mir wichtig, mit Menschen mit Beeinträchtigung zu arbeiten.

    Ich habe die Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht, bin also die klassische Krankenschwester. Das war herausfordernd, aber auch wahnsinnig interessant und lehrreich. Ich hab' dabei auch viel fürs Leben gelernt: Ich denke nämlich, nach so einer Ausbildung kann man insbesondere in sehr emotionalen Situationen sehr professionell umgehen.

    Infos zur Pflegefachkraft-Ausbildung in den Oberlin Beruflichen Schulen

  • Frage 2: Wie sieht deine tägliche Arbeit hier im Oberlinhaus aus?

    Ich arbeite in einer Wohnstätte für Kinder und Jugendliche mit Sinnesbeeinträchtigungen und körperlichen Einschränkungen. Als Pflegefachkraft kümmere ich mich zunächst um die Grundpflege der Kinder: Ich wasche sie, helfe beim Zähneputzen oder eben bei Dingen, die für Menschen ohne Behinderung selbstverständlich sind wie z.B. beim Essen und Trinken, ich mache aber auch Arztgänge oder ähnliches mit ihnen.

    Ein Großteil meines Jobs besteht aber darin, die Kinder individuell zu fördern: Wir versuchen zusammen mit den Kindern das, was sie aufgrund ihrer Behinderung im Alltag einschränkt, mit gezielten Übungen auszugleichen oder zu mildern. Dabei wollen wir natürlich nicht die Eltern ersetzen, sondern sie dank unserer speziellen Ausbildung effektiv unterstützen.

    Aber jetzt kommt das Wichtigste: die Tobe- und Kuscheleinheiten. Das steht natürlich ganz oben auf der Liste. Das fordern sich die Kinder ein und das ist ihnen sehr wichtig. Wir sind schließlich tagsüber und mitunter auch nachts für sie da und darum auch ein bisschen sowas wie - naja - Familie.

    Mehr zur Wohnstätte für Kinder & Jugendliche mit Taubblindheit

  • Frage 3: Was ist das Besondere an deinem Job?

    Ich würde zwar nicht ausschließen, irgendwann noch mal mit erwachsenen Klienten zu arbeiten. Ich habe aber das Gefühl, dass ich beruflich irgendwie angekommen bin, wo ich jetzt bin. Hier, wo ich arbeite, wird es nie langweilig mit unseren kleinen Bewohnern. Dasselbe gilt auch für mein Team: Natürlich gibt es auf dem Papier auch sowas wie eine Hierarchie, im Alltag arbeiten wir aber auf Augenhöhe. Meine Chefin hat mal gesagt: „Juliette, du arbeitest nicht unter mir, du arbeitest mit mir.“ Und so ist es wirklich. Ich habe das Gefühl, ich kann mit ihr über alles reden. Das macht irgendwie alles leichter: mit Kritik umzugehen, eigene Ideen anzubringen und jeden Tag gern zur Arbeit zu kommen.

    Und weil ich auch irgendwie stolz bin, im Oberlinhaus arbeiten zu dürfen, habe ich sogar schon zwei Freundinnen empfohlen, sich hier zu bewerben. Mittlerweile sind wir Kolleginnen.

    Mehr zu den guten Gründen, Oberliner zu werden >

  • Frage 4: Arbeitest du auch im Schichtdienst? Was sind die Vorteile?

    Menschen zu pflegen, bedeutet auch, mitunter zu jeder Tages-, aber auch Nachtzeit für sie da zu sein: Je nach dem, in welcher Schicht ich arbeite, wecke ich unsere Kinder morgens, bringe sie abends ins Bett und singe dabei manchmal auch ein Gute-Nacht-Lied.

    Und wenn unsere Kollegen der Dauernachtwache Urlaub haben oder aus anderen Gründen nicht da sind, vertreten wir sie auch nachts. Für mich ist das voll normal, ich habe mich ja bewusst für diesen Beruf entschieden, und solche Schichtarbeit dabei in Kauf genommen. Aber wie schon gesagt, wir sind sowas wie ein Teil der Familie und wir sehen, wie sich unsere Bewohnerinnen und Bewohner darüber freuen, wenn sie uns zu jeder Tageszeit sehen. Und ehrlich gesagt, ich denke im Grunde genauso. Zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten, ist darum für mich absolut kein Problem. Meine privaten Kontakte leiden darunter so gut wie gar nicht.

  • Frage 5: Wie stellst du dir deine berufliche Zukunft vor?

    Ehrlich gesagt könnte ich mir vorstellen, irgendwann mal die Leitung einer Wohngruppe zu übernehmen. Das wäre zwar eine Herausforderung, aber eine, die mich wirklich reizen würde. Man hat hier im Oberlinhaus aber auch sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten: Der Arbeitgeber stellt da Fortbildungen für Führungskräfte zur Verfügung und für die würde man dann auch extra freigestellt werden.

    Mit Kindern zu arbeiten, war eigentlich nie mein Plan, tauschen möchte ich jetzt aber nicht mehr. Von meinen Kids geh‘ ich nicht mehr weg.

    Mehr zu den Möglichkeiten, sich bei uns beruflich weiterzuentwickeln >

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